Artikel vom 16.7.2023
von Henning Müller-Burzler
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Mehrfach ungesättigte Fettsäuren, insbesondere die Omega-3-Fettsäuren Alpha-Linolensäure, Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) und die Omega-6-Fettsäure Linolsäure spielen eine große Rolle für unsere Gesundheit. Denn sie sind wichtige Bestandteile der Zellmembranen und Zellen und sind für die Bildung von vielen körpereigenen Substanzen und Funktionseinheiten von Bedeutung. DHA ist darüber hinaus ein ausgesprochen wichtiger Baustein für gesunde Gehirn- und Nervenzellen.
Krank durch einen EPA- und DHA-Mangel: Bei einem stärkeren Mangel dieser Fettsäuren, insbesondere von EPA und DHA, kommt es zu einer Verschlechterung des Stoffwechsels, was zu einer Vielzahl von Körperstörungen und Krankheiten führen kann. Dazu gehören unter anderem
Ein chronischer EPA- und DHA-Mangel kann deshalb mit der Entstehung oder Verstärkung von Autismus, Morbus Alzheimer und anderen Demenz-Erkrankungen, Morbus Parkinson, Polyneuropathien – auch in Folge von Long Covid – und erhöhten nervalen Empfindlichkeiten gegenüber Umwelteinflüssen, wie Elektrosmog (EHS), sowie mit Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, inklusive ADS und ADHS, Lernschwierigkeiten und psychischen Störungen und Veränderungen in Verbindung stehen. Darüber hinaus kann er an der Entstehung von Autoimmunerkrankungen, erhöhten Cholesterinwerten, Bluthochdruck, Adipositas (Übergewicht), Diabetes mellitus und Krebs beteiligt sein.
Langsameres Altern durch gute EPA- und DHA-Versorgung: In der Altersforschung ist bekannt, dass eine gute Versorgung mit EPA und DHA ein wichtiger Faktor für langsameres Altern ist. Dies geschieht dadurch, dass durch Anwesenheit von ausreichenden Mengen an EPA und DHA bei den regelmäßig stattfindenden Zellerneuerungen mit Zellteilungen die Endstücke der Chromosomen (Telomere) weniger stark verkürzt werden und die Erbsubstanz (Genom) dadurch besser geschützt wird.
Aus diesen Gründen ist eine gute Versorgung des Körpers mit diesen mehrfach ungesättigten Fettsäuren ein sehr wichtiger Gesundheitsfaktor und dies nicht nur für Erwachsene, sondern auch für Kinder.
Die drei Möglichkeiten für eine gute Versorgung mit EPA und DHA
Starke Abnahme der EPA- und DHA-Bildung bei zunehmend mehr Menschen
Werden fettreiche Milchprodukte von artgerecht ernährten Tieren oder fettreiche Meeresfische nicht regelmäßig verzehrt, was in der heutigen Zeit immer mehr Menschen betrifft, ist eine gute Versorgung mit EPA und DHA auf natürliche Weise somit ausschließlich mit Lebensmitteln möglich, die Alpha-Linolensäure enthalten. Daraus können im Körper bei gesundem Stoffwechsel und unter entsprechenden Voraussetzungen dann EPA und DHA gebildet werden.
Genau hier liegt jedoch die Krux. Denn aufgrund neuester Studien verlieren in der heutigen Zeit immer mehr Menschen aller Altersgruppen, inklusive Kindern, diese wichtige Stoffwechselfunktion wegen einer zunehmenden Schwächung der enzymgesteuerten Bildungsprozesse von EPA und DHA aus Alpha-Linolensäure. Die davon betroffenen Enzyme sind Delta-6-Desaturase, Delta-5-Desaturase und Fettsäure-Elongase.
In den entsprechenden Studien ist nachgewiesen worden, dass die Bildung und Aktivität dieser Enzyme in den letzten Jahren bei vielen Menschen zurückgegangen ist. Die Betroffenen können dann nur noch wenig oder kein EPA und DHA mehr aus Alpha-Linolensäure bilden – mit weitreichenden gesundheitlichen und psychischen Folgen. Diese Entwicklung wird auch von einigen Ärzten und Heilpraktikern, die auf diesem Gebiet arbeiten, bestätigt, unter anderem vom Molekulargenetiker Dr. med. Michael Nehls.
Für die Abnahme der EPA- und DHA-Bildung im Körper können mehrere Ursachen verantwortlich sein: Dazu gehören in erster Linie Vergiftungen des Körpers mit Umweltgiften (Aluminiumverbindungen und anderen Schwermetallen etc.) und Stoffwechselendprodukten, hohe Strahlungsbelastungen, insbesondere mit der Mobilfunkstrahlung, aber auch ein chronischer Mangel an Vitamin B6, Biotin, Zink, Magnesium oder Calcium, weil diese Nährstoffe wichtig für eine gute Aktivität dieser Enzyme sind.
Gute Versorgung mit EPA und DHA bei gesunder Ernährungs- und Lebensweise
Wegen dieser ernst zu nehmenden Entwicklung habe ich in meiner Praxistätigkeit ebenfalls begonnen, entsprechende Blutuntersuchungen (Omega-3-Bluttests) bei einigen meiner Patienten zu machen. Das Ergebnis ist insofern überraschend positiv, weil bisher alle untersuchten Patienten eine ausreichende bis gute Versorgung mit Alpha-Linolensäure, EPA und DHA hatten.
Allen gemeinsam ist, dass sie eine ausgewogene und darmflorafreundliche Ernährung praktizieren, so wie sie im Artikel „Die sieben Säulen einer gesunden Ernährung“ zusammenfassend beschrieben wird, und durchschnittlich 4 bis 6 g Alpha-Linolensäure pro Tag mit der Nahrung aufnehmen, eine Menge, die in 8 bis 10 g Leinöl enthalten ist.
Zusätzlich achten sie auf ein möglichst günstiges Mengenverhältnis von Linolsäure zu Alpha-Linolensäure. Denn je weniger Linolsäure im Verhältnis zu Alpha-Linolensäure mit der Nahrung aufgenommen wird und je niedriger somit das Verhältnis von Linolsäure zu Alpha-Linolensäure im Blut ist, desto mehr EPA und DHA werden bei den derzeit üblichen Ernährungsweisen aus Alpha-Linolensäure gebildet.
Diesbezüglich ist es empfehlenswert, ein Mengenverhältnis von Linolsäure zu Alpha-Linolensäure von 2:1 bis 3:1 anzustreben, wobei Mengenverhältnisse von 4:1 bis 5:1 bei gesunden Menschen mit ausreichender Aufnahme von Alpha-Linolensäure noch unbedenklich, wenn auch nicht optimal sind.
Optimal ist ein Mengenverhältnis von Linolsäure zu Alpha-Linolensäure, je nach Ernährungsweise, von 2:1 bis 2,8:1, weil beide Fettsäuren dann aufgrund meiner Untersuchungen und Forschungsergebnisse in einem harmonischen Gleichgewicht zueinander vorliegen. Dabei beziehen sich die entsprechenden Mengen auf die Fettsäuremengen, die man während des Tages oder innerhalb von zwei Tagen mit der Nahrung aufnimmt.
Zu viel Linolsäure verringert die Bildung von EPA und DHA aus Alpha-Linolensäure
Wesentlich ungünstiger sind hingegen deutlich höhere, aber auch sehr niedrige Mengenverhältnisse von Linolsäure zu Alpha-Linolensäure im Blut, auch wenn besonders niedrige Mengenverhältnisse derzeit immer häufiger empfohlen werden, weil dadurch mehr EPA und DHA aus Alpha-Linolensäure im Körper gebildet werden können. So empfehlen derzeit zunehmend mehr Ärzte und Therapeuten, ein möglichst niedriges Mengenverhältnis dieser Fettsäuren in Richtung 1:1 anzustreben, was aufgrund meiner Erfahrungen jedoch unnatürlich niedrig ist und mit mehreren Nachteilen verbunden sein kann.
Stress durch ein niedriges Linolsäure-Alpha-Linolensäure-Verhältnis: Denn bei derart niedrigen Mengenverhältnissen kommt es erfahrungsgemäß zu einer mehr oder weniger starken Störung von naturgegebenen Harmonien im Körper, die mit einem stoffwechselbedingten Stressfaktor einhergeht, der von sensiblen Menschen auch körperlich und psychisch wahrgenommen werden kann, und zwar um so mehr, je mehr das Mengenverhältnis unter dem optimalen Verhältnis von 2:1 bis 2,8:1 liegt.
Ähnlich, wenn auch nicht so stark, wirken sich Abweichung dieses Mengenverhältnisses aus, wenn sie für längere Zeit deutlich über dem optimalen Verhältnis liegen.
Erhöhter Vitamin-E-Bedarf durch verstärkte EPA- und DHA-Bildung: Zusätzlich besteht bei einem sehr niedrigen Mengenverhältnis von Linolsäure zu Alpha-Linolensäure die Gefahr, dass wegen der überproportional starken Bildung von EPA und DHA aus Alpha-Linolensäure ein Vitamin-E-Mangel infolge des dadurch steigenden Vitamin-E-Bedarfs entsteht. Denn Vitamin E dient in seiner Funktion als starkes Antioxidans unter anderem als wichtiger Schutzfaktor für die Doppelbindungen der ungesättigten Fettsäuren, insbesondere der Omega-3-Fettsäuren, und schützt diese vor der Sauerstoffoxidation und der Entstehung von Fettsäureradikalen.
Dieselbe Problematik ist vorhanden, wenn viel EPA und DHA mit der Nahrung oder mit Nahrungsergänzungsmitteln aufgenommen und nicht gleichzeitig auf eine sehr gute Vitamin-E-Versorgung geachtet wird.
Fazit
Alle von mir untersuchten Patienten, die sich mit vollwertigen Lebensmitteln ausgewogen und darmflorafreundlich ernähren und eine möglichst gesunde Lebensweise praktizieren, haben bezüglich der EPA- und DHA-Bildung aus Alpha-Linolensäure normal funktionierende Enzymaktivitäten.
Dadurch wird eindeutig belegt, dass wir bei gesunder Ernährungs- und Lebensweise nach wie vor in der Lage sind, EPA und DHA aus Alpha-Linolensäure zu bilden, wodurch die natürliche Unabhängigkeit von EPA- und DHA-reichen tierischen Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln aufrecht erhalten bleibt.
Das Ergebnis zeigt aber auch, wie wichtig in der heutigen Zeit eine gesunde, stoffwechselaktive Ernährungsweise ist, weil wir sonst, wie die neuesten Studien zeigen, immer mehr essenzielle Körperfunktionen verlieren, wodurch eine Vielzahl von körperlichen und psychischen Problemen entstehen, die bis tief in unsere Gesellschaftsstruktur hinein wirken werden.
Praktische Empfehlungen für eine gute Versorgung mit Alpha-Linolensäure, EPA und DHA